Fotografie und Zeitgeschichte

Orte und Räume Deutscher Verbrechen gegen die Menschheit

Die Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald.

Lichtbildvortrag des Fotografen Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Das Konzentrationslager Buchenwald verwaltete 136 Außenkommandos. Lager, in denen tausende Frauen und Männer gefangen gehalten und in der Regel in Rüstungsbetrieben zur Arbeit gezwungen wurden.

»Aber ist nicht jeder Fleck unserer Städte ein Tatort? Nicht jeder ihrer Passanten ein Täter? Hat nicht der Photograph – Nachfahr der Augurn und der Haruspexe – die Schuld auf seinen Bildern aufzudecken und den Schuldigen zu bezeichnen?« Walter Benjamin „Kleine Geschichte der Photographie“

Ich habe nach den Spuren dieser KZ Außenlager gesucht und in den Jahren 2012 und 2013 die Orte und Räume, in denen sich die ehemaligen Lager befanden, fotografiert.

»Die Spur ist Erscheinung einer Nähe, so fern das sein mag, was sie hinterließ. Die Aura ist Erscheinung einer Ferne, so nah das sein mag, was sie hervorruft. In der Spur werden wir der Sache habhaft; in der Aura bemächtigt sie sich unser« schreibt Walter Benjamin 1931: „Der Flaneur”.

In und mit den Bildern werden Spur und Aura der Taten und Tatorte sicht- und erfahrbar.

Die vordergründig dokumentarisch wirkende Fotografie zeigt Orte, die Schauplätze deutscher Verbrechen waren – begangen im Namen einer deutschen Regierung von Menschen an Menschen. Die fotografischen Ansichten von Landschaften, Brachen, Grünanlagen, öffentlichen Plätzen, Wohnsiedlungen, Kleingärten etc. liefern zunächst keine oder kaum noch Indizien für das, was hier vor 70 Jahren geschehen ist. Es sind stille und unspektakuläre Bilder mit indirekten Hinweisen.

Erst der begleitende nüchterne Text stellt den Zusammenhang zwischen Geschehenem und Ort her, lässt in den Bildern die Spuren erkennen, gibt dem Ort seine Identität, und nimmt ihm seine Harmlosigkeit.

Mit diesen Fotografien erhalten die Geschehnisse eine erneute Aktualität. Sie bleiben nicht mehr nur als erzählte Geschichte(n) theoretisch, sondern werden wieder mit dem konkreten, dem wieder erkennbaren, dem realen Ort verbunden. Diese Fotografie will auch eine Antwort auf die von Walter Benjamin in „Kleine Geschichte der Photographie“ gestellte Frage geben.

„In der Spur werden wir der Sache habhaft; in der Aura bemächtigt sie sich unser“. Meist ist es so, dass nur wer es glaubt und sich leiten lässt, an diesen Orten die Spuren erkennt und der Sache habhaft wird. Wem sie sich dort mit ihrer Aura bemächtigt, wird auch eine Frage der Einlassung sein.

Zunächst interessierte mich die künstlerische Annäherung und Auseinandersetzung mit diesem Thema deutscher Geschichte. Und die künstlerischen Antworten auf geschichtliche Fragen waren mir wichtig.

Im Verlauf der Fotoreise machte ich dann die Erfahrung, dass an diesen Orten, an denen immerhin mehr als 120.000 Menschen gefangen gehalten, zur Arbeit gezwungen, gequält und ermordet wurden, dieser Menschen selten, gar nicht, oder in einer die Geschichte verfälschenden Weise gedacht wird.

Und erst mit diesen Erfahrungen entwickelte sich das dringliche Interesse, diese Arbeit einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. 

Mein Vortrag enthält nicht nur die Informationen zur Geschichte der Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald. In einem Lichtbildvortrag (Powerpoint) erzähle und zeige ich vielmehr, wie ich die Bilder der Außenlager gefunden/vorgefunden habe, was ich auf der Suche nach ihnen erlebt und erfahren habe, und was mich zu den Aufnahmen motiviert hat.

Sie erhalten also einen Einblick in das Arbeitskonzept und in den Arbeitsprozess eines an dieser speziellen deutschen Geschichte interessierten Fotografen. Für diesen Vortrag und Einblick habe ich von den 184 Bildern meines Buches insgesamt 28 Bilder von 17 Orten ehemaliger Außenlager ausgesucht.

Zusätzlich zu dieser Auswahl an Bildern wird der Vortrag, wenn er an einem Ort gehalten wird, an dem es ein Außenlager gab, mit den Bildern dieses Ortes/Lagers aktualisiert.

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